Mitten im Golf
von Neapel, nur 50 Minuten mit dem Tragflügelboot
von der Hauptstadt des Südens entfernt, liegt Ischia.
Die grüne Insel des Mittelmeers verzaubert ihre Gäste
seitjeher mit einer üppigen Blütenpracht: Oleander-Alleen,
Orangen- und Zitronenhaine, Pinienwälder und ausgedehnte
Weinberge erstrecken sich entlang der malerischen Küstenstraßen
und eröffnen immer wieder faszinierende Ausblicke
aufs azurblaue Meer und die schroffen Felsen, die die Strände
säumen. Das milde Klima und die klare Meerluft machen
Ischia zu einem bevorzugten Reiseziel für anspruchsvolle
Naturliebhaber; doch auch wer das pulsierende Leben kleiner
Mittelmeerstädtchen schätzt, das Treiben der
Fischer in den Häfen beobachten oder einen entspannenden
Drink in einer mediterranen Bar nehmen möchte, wird
auf Ischia Urlaubswochen verbringen, die er nie vergessen
wird.
Sir William Hamilton, ein Engländer, der am Hof der
Bourbonen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
lebte, beschrieb die Insel Ischia mit folgenden Worten: "Ich
denke, es gibt keinen Ort, der dem weitschweifenden Blick
mehr Gelegenheiten zu interessanten Betrachtungen bieten
kann als die Insel Ischia , die im Altertum Aenaria, Inarime
und Pithecusa genannt wurde". Ischia
bildet mit Neapel und Capri ein gleichseitiges Dreieck,
dessen Seite 18 Seemeilen, gleich 36 km, mißt. Sie
liegt im Golf von Neapel, der in der Antike "Der
Krater", nämlich das Becken, genannt wurde; die
Insel ist in sechs Gemeinden unterteilt: Ischia, Casamicciola
Terme, Lacco Ameno, Forio, Serrara-Fontana, Barano. Die
Landschaft ist eher bergig, von wenigen kleinen Hochebenen
unterbrochen, und der höchste Gipfel, der Berg Epomeo,
erreicht 788 Meter. Die Insel bietet dem Fremden eine wunderbare
Landschaft, doch auch dem Wissenschaftler vielfältige
Anregungen, die ein Zeugnis dafür sind, in welch alten
Zeiten der Mensch sich auf diesem einzigartigen Landstreifen
schon angesiedelt hatte, wo schaurige Schluchten und idyllische
Schönheit den faszinieren, der sich eines Aufenthalts
hier erfreuen kann. Der
älteste Zeitraum ihrer Geschichte (die vorgeschichtliche
Zeit) spricht davon, daß der Mensch sich hier schon
in der Steinzeit niedergelassen hatte. Vielfältige
Zeugnisse sind heute noch vorhanden: Von den Resten der
Dörfer,
wie jener des Castiglione zwischen Casamicciola Terme und
Ischia, bis zu dem des Monte Vico, dem Vorgebirge in der
Gemeinde von Lacco Ameno. Die Geschichte der Insel Ischia
begann, als die Kolonisten im 8.Jh. v.Chr. aus Chalkis
und Eretria kamen.Sie brachten die fortgeschrittene Kultur
aus ihrem Vaterland den sanftmütigen, an den Ufern
des Mittelmeers lebenden Völkern,
die von den Kolonisten den Gebrauch der Töpferscheibe
zur Herstellung von Terrakottagegen- ständen, die
Kunst des Webens, den Weinanbau, die Bearbeitung der Metalle
sowie die Schreibkunst lernten, deren erstes Beispiel die
Inschrift auf dem sogenannten "Kelch des Nestor" ist;
dieser Kelch wurde in der Nekropole von S. Montano (Lacco
Ameno) während
der von Prof. Giorgio Buchner ausgeführten archäologischen
Ausgrabungen aufgefunden. Die Spuren der Griechen haben
noch lange Zeit fortgelebt, obwohl die Insel in späteren
Zeiten unter verschiedenen Oberherrschaften stand. Die
Insel Ischia wurde zunächst Pithecusa genannt, und
diesen Ortsnamen finden wir erstmals im 5. Jh. v.Chr. in
der Legende des Riesen Typhon, der von Jupiter bestraft
und unter die Insel verbannt wurde. Der Name Pithecusa,
der unserer Insel sicher viele Jahrhunderte vor dem Kommen
der Kolonisten von den Seefahrern gegeben wurde, die aus
dem
Ägäischen Meer auf Suche nach Mineralien in das
Tyrrhenische Meer segelten, bedeutet “die von den
Affen bewohnte Insel",
daß heißt von dem Menschen feindlichen Geschöpfen;
dieser Name deutet
somit auf die grandiosen Naturphänomene, wie Eruptionen
und Erdbeben hin, die sich ereigneten, als die Insel noch
jünger war. Der zweite Name, der
der Insel gegeben wurde, ist Aenaria und geht auf die Zeit
der römischen
Oberherrschaft zurück. Der Name Aenaria kann in folgenden
Worten eine Erklärung
finden: Eine an Weingärten reiche Insel. Denn die
Römer tischten gerne
den Wein von Ischia auf, denn sie schätzten seine
ausgezeichnete Qualität.
Auch heute noch ist der Weinanbau, neben dem Fremdenverkehr,
die wichtigste wirtschaftliche Aktivität. Der dritte
Name der Insel war der, den sie heute trägt,
der zunächst Iscla, Isca (von dem lateinischen Wort
insula=Insel) lautete. Dieser Name wird in dem Brief erwähnt,
den Papst Leo III. im Jahre 813 n.Chr. an Kaiser Karl den
Großen sandte, um ihm das Schicksal der Bevölkerung
von Ischia nahezulegen, die unter den Streifzügen
der Seeräuber litt
und selbst von den Christen stark unterdrückt war,
die sich untereinander bekämpften. Mit dem dritten
Namen, dem heutigen, gelangen wir ins Mittelalter, und
in dieser Zeit beginnt für Ischia eine lange Zeit
des Rückschritts.
Wie in anderen Teilen Italiens lebte die Bevölkerung
auch hier lange Zeit im Elend. Diese Zeit kann nur Dank
des Mutes, der pferbereitschaft und der Liebe des Volkes
zum Land
überwunden werden, dem es auch durch die Hilfe der
Kirche und die verschiedenen, hier vorhandenen Klöster
gelang, sich zu organisieren und jene alten Gehöfte
ins Leben zu rufen, die später die Grundsteine der
administrativen Kerngruppen der Insel und der zukünftigen
Gemeinden bildeten. Die Insel Ischia lebte unter verschiedenen,
sich abwechselnden Dynastien, die sich im Zuge der Jahrhunderte
bis zur Einheit Italiens des Gebietes Kampanien bemächtigten. |
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